Natürlich - würzig, rauschend, süß

Natürlich – würzig, rauschend, süß
Kunstpädagogisches Modellprojekt im Rahmen des Programms „Nachhaltigkeit lernen - Kinder gestalten Zukunft“

Die Kunstschule Offenburg hat für die Ausschreibung des Programms „Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft“ der Baden-Württemberg Stiftung das Modellprojekt „Natürlich – würzig, rauschend, süß“ entwickelt und eingereicht. Diese Projektkonzeption hat die Jury überzeugt und konnte über einen Zeitraum von 3 Jahren (2014 - 2017) realisiert werden. Im Rahmen des Programms sollten das Nachhaltigkeitsbewusstsein und die Eigenverantwortlichkeit von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter gefördert werden.

Pflanzen, Tiere und die Naturelemente sind Gestalter der Umwelt. Ihre Wechselspiele, die Ökologie, beeinflussen das Leben der Menschen. Auch der Mensch tritt hier als Gestalter auf. Das kunstpädagogische Projekt „Natürlich - würzig, rauschend, süß“ stellte die Bereiche Pflanzen (Heil- und Gewürzkräuter), Tiere (Die Bienen) und Naturelemente (Der Wind) in den Mittelpunkt, um durch sie die lebenswichtige, ökologische und soziale Symbiose von Natur und Menschen zu thematisieren.

Kooperationspartner des Modellprojekts waren die Astrid Lindgren Schule Offenburg, die Astrid Lindgren Schule Hesselhurst (Schule für geistigbehinderte Kinder), sowie der Kindergarten des Stadtteil- und Familienzentrum Ost. Das Projekt wurde von Almut von Koenen, pädagogische Mitarbeiterin der Kunstschule Offenburg, geleitet.


1. Projektjahr
Heil- und Gewürzkräuter
► Dokumentation
2. Projektjahr
Die Bienen
► Dokumentation
3. Projektjahr
Der Wind
► Dokumentation
Zusammenspiel
Gesellschaftsspiel zum Herunterladen und Ausdrucken
► Fazit & Spielplan





Natürlich – würzig, rauschend, süß
Ein Zusammenspiel der drei Projektjahre

Außerschulische und schulische Institutionen kooperieren

Die Kunstschule Offenburg arbeitet seit 30 Jahren erfolgreich im Bereich der Kunstpädagogik in Kindergarten- und Schulkooperationen, sowohl mit Regelschulen, als auch mit Sonderschulen. Für die Kunstschule, als außerschulische Bildungseinrichtung, ist das Lernen im Bereich der Künste in hohem Maße geeignet, um vielschichtigen Themen und komplexen Zusammenhängen des Lebens, altersgerecht zu begegnen. Es war daher ein Anliegen der Kunstschule, das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit, welches heute ein immer brisanteres und notwendiger werdendes Thema ist, aufzugreifen und Kinder zu sensibilisieren und ihnen einen Gestaltungsraum zu eröffnen, in dem sie sich zu diesem Thema verhalten und positionieren können. In diesem Projekt arbeitete die Kunstschule zusammen mit einer Gruppe des Kindergartens aus dem kommunalem Stadtteil- und Familienzentrum Ost, eine Grundschulklasse der Astrid Lindgren Schule Offenburg und eine Grundschulklasse der Astrid Lindgren Schule Hesselhurst, Sonderpädagogische Bildungszentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.





Die Kunstschule als Lernort außerhalb der Schule

Beobachten – Informieren – Darstellen – Handeln bildeten die pädagogischen Grundsäulen des Projektes, die innerhalb jedes Projektjahres in der Kunstschule durchgeführt wurden. Ziel war es, über kindgerechte, künstlerische Prozesse und wissenschaftliches Arbeiten, die Bedeutung und das Wechselspiel der drei oben genannten Bereiche zu verstehen und verantwortungsvoll als Gestalter zu agieren. In den Ateliers der Kunstschule wurden die Themen künstlerisch bearbeitet, während im Kindergarten und in der Schule die Lehrerinnen und Erzieherinnen die Themen in ihren Schul- und Kindergartenalltag einfließen ließen. Nach jedem Projektjahr wurde eine interaktive Dokumentation entwickelt, die das Projektjahr nicht nur in Text und Bild dokumentierte, sondern auch Erklärseiten und Gestaltungsseiten mit einbezog. Jedes Kind bekam nach jedem Projektjahr eine solche Dokumentation und damit die Möglichkeit diese wie ein kleines Arbeits- bzw. Aufgabenheft zu nutzen. Auch Lehrer nutzen diese Dokumentation als Anregung für Ideen und einen Wissenserwerb zur entsprechenden Thematik.

Experten tauschten ihr Wissen mit den Kindern aus

Jedes Projektjahr wurde fachlich unterstützt von Experten aus der Region. An jeweils einem Vormittag konnten die Kinder einen Einblick in das Wissen und den Beruf des jeweiligen Experten exemplarisch und praktisch bekommen. Die Experten waren: Andrea Perlich, Fachfrau für Kräuter und Naturheilmittel in der Ortenau, Christine Henze, Mitbetreiberin des Restaurants „Burger Marie“ im Forumkino, Ekkerhard Hülsmann, passionierter Imker und ehem. Präsidet des badischen Imkerverbundes, Rita Rennwald, Gärtnerin und Leiterin der „grünen Hand“ der Lebenshilfe Offenburg, Günter und Marion Walter, Ballonpiloten und Inhaber des Luftfahrtunternehmens Neuried.





„Nachhaltigkeit fördern, Kinder gestalten Zukunft“

Die Baden-Württembergstiftung hat in Kooperation mit der Heidehof-Stiftung im Sommer 2013 die zweite Ausschreibung des Programms „Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft“ veröffentlicht. Im Rahmen des Programms sollen das Nachhaltigkeitsbewusstsein und die Eigenverantwortlichkeit von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter gefördert werden. Innerhalb dieser Ausschreibung wurde das Modellprojekt „Natürlich – würzig, rauschend, süß“ gefördert.

Fazit

Innerhalb der drei Jahre ist bei knapp 70 Kindern viel Wissen über das komplexe Zusammenspiel von Tier, Pflanze, den Naturelementen und dem Menschen, hängen geblieben. Auch die Kinder mit Behinderung haben sich in den drei Projektjahren immer mehr mit ihrem Wissen, ohne Einschränkung, eingebracht. Ein Junge, der am Anfang nichts sagte und auch den Blick immer nur gesenkt hielt, saß am Ende aufrecht und aufmerksam auf seinem Stuhl und beteiligte sich am Wissensaustausch. Dieser Wissenserwerb, der sowohl auf kognitiver als auch auf der physischen und emotionalen Ebene stattgefunden hat, hat die Kinder merklich selbstbewusst und selbstsicher gemacht. „Wenn ich abends nicht schlafen kann, dann weiß ich jetzt, dass Lavendel hilft“. „Wenn jemand ein Insektenstich hat, muss er Spitzwegerich draufmachen“. „Mir hat gefallen, die Pflanzen einzupflanzen. Das will ich auch in unserem Garten machen“. Dies sind nur eine Handvoll Zitate der Kinder, die darauf hinweisen, dass sie sich Wissen angeeignet haben und dieses nun auch weitervermitteln können.





Mit den Experten, die aus der Region kamen, haben die Kinder ein ganz neues Selbstbewusstsein und Orientierung in ihrem Umfeld bekommen. So besuchten einige Kinder nach ihrem Kinobesuch Christine Henzel in ihrem Restaurant „Burgermarie“, welches direkt am Kino verortet ist, um einfach mal „Hallo“ zu sagen. Wenn wieder einmal ein Heißluftballon am Himmel zu sehen war, wussten sie, dass es nur Günter Walter sein kann, da nur er mit seinen Ballons das Flugrecht in dieser Region hat. Auf dem Markt konnten die Kinder gezielt und selbstbewusst die Honigstände ansteuern und ihre Lieblingshonigsorte kaufen.

Für die Lehrerinnen und Erzieherinnen war der Einblick in das künstlerische Arbeiten mit Kindern in der Kunstschule ein Einblick in eine ganz andere Herangehensweise, wie man Kindern einen Zugang zu komplexen Themen eröffnen kann. Lehrerin: „Man merkt schon, dass ihr als Künstler anders an die Sache herangeht. Als Lehrer arbeitet man wohl pragmatischer. Das werde ich nächste Woche aufgreifen“. Durch diesen intensiven Austausch mit den Lehrerinnen und Künstlerinnen, konnten den Kindern nicht nur unterschiedliche Arbeitsprozesse , angelehnt an Kunst und Forschung, sondern der Wissenserwerb aus unterschiedlichen Perspektiven eröffnet werden. Lernen wird hier zu einem Erlebnis und prägt die Kinder nachhaltig.




Das Konzept von „Natürlich – würzig, rauschen, süß“ und seine Umsetzung ist erfolgreich aufgegangen und eine Bestätigung dafür, dass schon Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter eine Sensibilisierung und kindgerechte Heranführung an komplexe Themen und Zusammenhänge durchaus begreifen können, wenn man sie über ein ganzheitliches Lernen heranführt. Das Zusammenspiel von Sachwissen und wissenschaftlichen Input, mit kindlichen Weltbildern zu fördern ist im hohen Maße gelungen. „Das Projekt „Natürlich – würzig, rauschend, süß“ hat mir sehr gute gefallen. Besonders schön fand ich das Thema Bienen, weil ich viel mehr über Bienen erfahren habe. Ich habe erfahren, dass Bienen zu unserem Leben gehören. Wenn die Bienen nicht wären, dann könnten wir sterben.“ (Jessica 4. Klasse)





Das Zusammenspiel:
Natürlich - würzig, rauschend, süß






Im Rahmen der Dokumentation ist ein Spiel entstanden, welches das Zusammenspiel der Ökologie und damit die Bereiche Pflanze, Tier, Naturelemente und Mensch, spielerisch zusammenfasst. Das Spiel setzt sich aus Motiven und Erkenntnissen der drei Projektjahre zusammen und bietet Jung und Alt die Möglichkeit ökologische Zusammenhänge spielerisch und unterhaltend zu erfahren.

Spielplan zum Herunterladen
und Ausdrucken







Das Programm „Nachhaltigkeit lernen - Kinder gestalten Zukunft“ wurde von der Baden-Württemberg Stiftung in Kooperation mit der Heidehof Stiftung aufgelegt. Ziel des Programms ist es, Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahren für die Belange des Naturschutzes, des Biodiversitätserhalts, der Umweltvorsorge und der nachhaltigen Entwicklung zu sensibilisieren. Nach dem Prinzip „Nachhaltigkeit vorleben und aktiv erlernen“ soll Umweltbewusstsein entwickelt und gefördert werden. Im Rahmen von zwei Ausschreibungen konnten Träger von Kindergärten und Kindertageseinrichtungen, gemeinnützige oder öffentlich-rechtliche Einrichtungen, Körperschaften, Verbände und Organisationen mit Sitz in Baden-Württemberg Anträge mit ihren Projektideen einreichen.