Premiere KorresponDanSe 4.0

Pressemitteilung

KorresponDanSe 4.0
Premiere des 4ten Tanzstücks der Projektreihe am 25.08.2018
Verwoben, getragen, begrenzt und geborgen





Wie silberne Fäden verwebten sich im Zentrum der Passerelle des Deux Rives, der Brücke die bei Straßburg Frankreich und Deutschland verbindet, die jungen Tänzerinnen und Tänzer des Projekts „KorresponDanSe 4.0“ mit den Klängen und Geräuschen dieser ungewöhnlichen Freiluftbühne.

Hoch über dem Rhein und mitten auf der im Wasser verlaufenden Ländergrenze mischten sich tuckernde Rheinschiffe, läutende Kehler Kirchenglocken, wummernde Bässe des zeitgleich startenden Festivals für elektronische Musik „Longevity“, afrikanische Rhythmen einer Perkussionsgruppe am französischen Ufer und der Klang des Windes einer rechtzeitig abziehenden Regenfront mit den Musikstücken der jüngsten Choreografie des mit zwei Bundespreisen ausgezeichneten Tanzprojekts.





Der Initiatorin von KorresponDanSe, der Kunstschule Offenburg und ihrer französischen Partnerin Compagnie Blicke, ist es zum vierten Mal gelungen, 20 junge Leute im Alter von 14 bis 30 Jahren aus Deutschland und Frankreich und fünf weiteren nichteuropäischen Ländern, die als Flüchtlinge in Deutschland oder Frankreich leben, dafür zu begeistern, sich sechs Tage lang ein zeitgenössisches Tanzstück zu erarbeiten. Unter der Leitung der Choreografin und Tanzkünstlerin Rica Lata Matthes in Offenburg und dem Leiter der Compagnie Blicke und Choreografen Enrico Tedde, ist dabei erneut ein ungewöhnliches tänzerisches Werk entstanden, in dem sich die tänzerischen Potentiale von jugendlichen Tanzbegeisterten mit der Erfahrung von semiprofessionell tanzenden jungen Erwachsenen beeindruckend ergänzen.

Zu den barocken Klängen von Antonio Lucio Vivaldi, Kompositionen perkussiver Flötenstücke aus Japan, traditioneller Tanzmusik aus Afrika und zeitgenössischer europäischer Musik, erzählten die jungen Tänzerinnen und Tänzer in dichten, poetischen Choreografien von der Schwierigkeit sich zu lösen und zu verabschieden, von der Kostbarkeit der Erinnerungen und der Freiheit überwundener Grenzen.





Wie Beziehungen und Dinge uns halten, wenn wir eigentlich weg wollen oder ungewollt fort müssen, wurde über lange elastische Stoffbänder visualisiert, die die vereinzelten Tänzer umso stärker zurückhielten, je weiter sie sich vom Ort ihres Aufbruchs entfernten. Erst nach dem Abstreifen entstand langsam Raum für die Freiheit aber auch für die Erschöpfung.

Ein miteinander verwobener, verstrickter Tänzerkörper aus acht Menschen bewegte sich auf die Brückenmitte, sich gleichzeitig gegenseitig Halt gebend, behindernd, vorantreibend, bremsend. Das sie zusammenhaltende Band löste sich in den tänzerischen Aktionen und wurde mit all seinen Verknotungen des Lebens, die durch die Lebendigkeit der Tänzer entstanden waren, symbolhaft zurückgelassen. In der Freiheit, nun ungebunden mitten auf der Grenze tanzen zu können, vermischten sich Musik, Kulturen und Tanzstile zu einer vitalen Lebensfreude. Mit einem Bruch der Tanzbilder gelang es einen berührenden Kontrast zu setzen.





Aus dem zurückgelassenen „Lebens“band heraus wurde nun ein Bewegungsraum gebildet, der die wechselseitigen Kräfte der Tänzer, die das Band zu einem Polygon formten, thematisierte. So wurde die soziale Abhängigkeit visualisiert und gleichzeitig die Paradoxie der Situation dazu, wer, wie und mit welchen Mitteln Grenzen hervorbringt, mit denen der sich selbst einschränkt. Hier erlaubte die Offenburger Choreografin Rica Lata Matthes auch die Eigenschau des Publikums und der vielen zufälligen Brückenpassanten. Damit stellte sich auch die Frage, wann aus Bewegung Tanz wird, wo aus einem Ausfall ein Einfall und wer ist eigentlich Zuschauer und wer Akteur?

In der Schlusschorografie, die vom Straßburger Choreografen Enrico Tedde in Szene gesetzt wurde, fesselten die Tänzer die Zuschauenden mit einem in höchster Konzentration und extrem langsam performten Zug von Menschen und Gegenständen. Als würde das Kostbarste, das einem von der materiellen Welt geblieben ist - immer noch verbunden mit seinen Erinnerungen und Funktionen - weitergegeben oder mitgenommen. Diese Szene griff noch einmal in seiner ideenreichen, tänzerisch-performativen Form den sich als roter Faden durch das Stück hindurchziehenden Themenkreis auf, von Grenzen, Begrenzungen, gewonnenen wie verlorenen Freiheiten und der Bedeutung des Gemeinsamen.





Der Projektinitiator und -leiter Heinrich Bröckelmann (Kunstschule Offenburg) dankte nach dem Schlussapplaus dem Eurodistrik Straßburg-Ortenau, der Bürgerstiftung Sankt Andreas und dem Fonds Soziokultur für die finanzielle Unterstützung. Angesichts dessen, dass auch nach diesem Tanzstück die Gruppe der jungen Tänzer und Tänzerinnen beiderseits des Rheins wieder auseinandergeht, formulierte er sein Anliegen, ein deutsch-französisches Tanzprojekt für junge Europäer und Nichteuropäer zu gründen, das beiderseits des Rheins agiert. Es sollte trotz der Grenzen temporär gemeinsame Produktionen erarbeiten, für weitere Tanzstücke »Mitten auf der Grenze«. Hier könnten dann immer wieder tanzbegeisterte Jugendliche und junge Erwachsene zusammenfinden, um aktuelle Themen in die Sprache des zeitgenössischen Tanzes zu übertragen - im Sinne einer gemeinsamen europäischen Zukunft.

Pressemitteilung der Kunstschule Offenburg
(August 2018)




Projektinfos und Auszeichnungen

>> KorresponDanSe erhält Innovationspreis Fonds Soziokultur 2018

>> KorresponDanSe erhält BKM-Preis Kulturelle Bildung 2018




ein grenzüberschreitendes Projekt von
Kunstschule Offenburg | Compagnie Blicke


gefördert und unterstützt von