elle passe – Publikation

Elle passe – Sie geht vorüber
„La Robe: 18 Frauen, ein Kleid, 18 Geschichten“ – ein grenzüberschreitendes Kooperationsprojekt


Die Publikation "elle passe" ist in der Kunstschule Offenburg für 20,- € zzgl. 1,50 € Versandkosten zu erwerben.

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Die wunderbare Publikation „Elle passe – Sie geht vorüber“ entstand im Rahmen eines grenzüberschreitenden Kooperationsprojektes von Soroptimist International Offenburg-Ortenau und der Kunstschule Offenburg. Sie dokumentiert das Projekt „La Robe: 18 Frauen, ein Kleid, 18 Geschichten“ in gelungener, feiner, hervorragend konzipierter und gestalteter Weise. Das Projekt gliederte sich in drei Teile, einen Workshop im September 2013 in den Räumen der Kunstschule, die öffentliche Präsentation des Ergebnisses am 08. März 2014 auf der Passerelle, einer Fußgänger- und Radfahrer-Brücke über den Rhein in Kehl, und die hier vorliegende publizistische Dokumentation.



18 Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Berufe, je neun aus Deutschland und Frankreich, trafen sich im September 2013 zu einem kreativen Workshop unter Anleitung der im Elsass lebenden deutschen Künstlerin Marie Dréa und der Leiterin der Abteilung Erwachsenenbildung der Kunstschule, Veronika Pögel. Ziel des Workshops war die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Kleid– Erinnerungen und Geschichte“ und ihre Dokumentation. Jede Teilnehmerin brachte ein ausgesuchtes Kleidungsstück, das mit einer besonderen Geschichte verknüpft war, in die Kunstschule mit. Aus diesen Kleidungsstücken entstand in gemeinsamer Arbeit ein neues einzigartiges, deutsch-französisches, überdimensional großes Kleid, frz. la robe. Es wurde am 8. März 2014 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.



Die Katalogpublikation im Format 28,5 x 18,5, 96 Seiten, mit abnehmbarem Umschlag und unterschiedlichen Papieren enthält außerordentlich hochwertige Abbildungen der 18 Kleider und einen zweisprachigen Textteil. Der Fotograf Axel Bleyer hat die individuellen Kleidungsstücke unter jeweils gleichen Bedingungen in serieller Weise fotografiert, so dass jedes Kleid als Einzelstück perfekt zur Geltung kommt. Zugleich wird durch die serielle Dokumentation der universelle Charakter von Kleidung hervorgehoben. Dies darzustellen war inhaltlicher Ausgangspunkt des Projektes und ein Ziel der Publikation. Am Ende der Fotografie-Serie und gewissermaßen als Übergang zum Textteil ist das aus den gewählten, unterschiedlichsten Kleidungsstücken neu gefertigte deutsch-französische Freundschaftskleid „la robe“ mit Vorder- und Rückseite, die voneinander völlig verschieden sind, abgebildet. Auch darin liegt eine Symbolkraft: Zweierlei, das untrennbar miteinander verbunden ist.



In einem zweiten Buchteil sind die mit den Kleidungsstücken verbundenen, äußerst vielfältigen Geschichten festgehalten. Der große Spannungsbogen reicht von der umfangreichen Familiengeschichte, deren Erinnerung das Kleid auslöst, über biografische Statements, im Besonderen das Verhältnis zur Mutter, bis hin zur Funktion des Kleides als Kostüm im Theater. Die Erinnerung an historische, mit der örtlichen Umgebung verhaftete Ereignisse wie die Geschichte von Marie-Antoinette oder das Verhältnis von Goethe und Friederike Brion werden in zwei der Geschichten thematisiert. Andere sprechen von der Märchenprinzessin, der Urlaubserinnerung und Stimmung, der textilen Kunst oder dem Umgang mit dem Kleid an sich. Die Formen der Texte reichen von längeren episodischen Schilderungen, über kurze Beschreibungen bis hin zu aphoristischen Bemerkungen und wenigen Zeilen lyrischen Charakters. Damit werden ganz unterschiedliche Facetten der Bedeutung eines Kleidungsstücks in ganz subtiler Weise herausgearbeitet. Durch die Aneinanderreihung entsteht dann ein großes Ganzes.



Die Geschichten sind darüber hinaus in grafisch abwechslungsreicher Form dargestellt. Für die grafische Gestaltung zeichnet das Büro für Gestaltung Moritz Lang und Rebecca Zink verantwortlich. Je nach Herkunftsland der Teilnehmerin ist der deutsche oder französische Text zuerst und farblich abgesetzt platziert. Der Leser kann, da sowohl den Fotografien als auch den Geschichten die Vornamen der Teilnehmerinnen beigefügt sind, den Zusammenhang zwischen Kleidungsstück und Geschichte herstellen. Er muss aber nicht.



Äußerer Anlass für das Projekt war die 50-Jahr-Feier des Elysée-Vertrages im vergangenen Jahr, bei der die Soroptimistinnen in Paris zum ersten Mal sämtlich in Hosen erschienen waren. Außerdem erinnerte die Aktion an die österreichische Prinzessin Marie-Antoinette, die bekanntlich 1770 im Alter von 14 Jahren an den französischen König Ludwig XV. verheiratet wurde und sich vor dem Grenzübertritt auf einer Rheininsel bei Straßburg vollständig entkleiden musste. Sie durfte erst nach der Einkleidung in französische Gewänder die Grenze passieren. Der Fonds Soziokultur und die Offenburger Kulturstiftung leisteten großzügig Unterstützung. Ebenso unterstützten die Soroptimistinnen das Projekt finanziell. Der Publikation ist eine weite Verbreitung zu wünschen.

Dr. Susanne Ramm-Weber
Kunstwissenschaftlerin, Offenburg